Der Sucher einer Kamera stellt in seinem räumlichen Kontext und seiner Funktionalität einen Ausschnitt des Lebens dar. Dadurch, dass er zumeist rechteckig konstruiert, einen Ausschnitt aus einem Ganzen heraustrennt, ihn abgrenzt, zeichnet er zugleich einen Rahmen.
Besonders in der traditionellen Fotografie musste möglichst vor dem Fotografieren genau konstruiert werden, was in dem Ausschnitt zu sehen, und wie es arrangiert sein soll. Die Formatgrenzen der digitalen Fotografie werden aufgrund der großzügigen Nachbearbeitbarkeit, nahezu gesprengt.
Dennoch hat sich im Grunde an der Basis der Motivsuche nichts geändert. Sobald man durch den Sucher schaut, fängt die Bildkomposition an. Auch wenn die digitale Nachbearbeitung auf dem Computer die Nicht-Notwendigkeit eines durchdachten Bildarrangements suggeriert, so spielen Rahmenbegrenzungen und Ausrichtung des Fotografierten noch immer eine große Rolle. Dies wird leider viel zu häufig unterschätzt. Eine Kathedrale, inmitten abertausender jene knipsender Touristen, kann durch die richtige Komposition eine nicht erwartete Strahlkraft bekommen, ebenso wie das verlassene Haus in öder Landschaft oder bei der intuitiven Fotografie auf der Straße.
Wie in der Malerei kann das Bildinnere, je nachdem wie es arrangiert wird, inwieweit es dominiert oder nicht-dominiert, Auswirkungen auf die Rahmung bzw. Grenzen des Bildes haben. Hier spielen Dynamik erzeugende Linien und deren Richtung und Bewegung, Farbe, Form und Format eine große Rolle. Allesamt Komponenten, die ausschlaggebend für die Wirkung und Ästhetik einer Fotografie sind. Da diese variabel sind, bieten sie zudem einen riesigen Spielraum an Gestaltungs- und gleichzeitig Wirkungsmöglichkeit.
Groß- wie Kleinformatige Fotografien, die durchdacht arrangiert sind, haben zudem eine größere Chance, durch eine spätere Rahmung, noch gelungener und beeindruckender zu wirken.
Sie dürfen nie vergessen: Der Rahmen bildet die Bühne ihres Bildes!
Ein wahllos fotografiertes Bild wird nur mit Glück jene Vorteile einer Bilderrahmung genießen, wie eine Fotografie, die mit wenigen zu beachtenden Bildkompositionskriterien entstanden ist.