Das Objektiv
Die Wahl des Objektivs und die damit verbundene Preisklasse bestimmen Qualität und Leistung der möglichen Abbildung einer Aufnahme. Dabei ist die Auswahl der Objektive unheimlich vielfältig und erscheint häufig unübersichtlich, besonders weil das nötige Hintergrundwissen fehlt.
Hier sollen im Folgenden die wichtigsten technischen Einzelheiten Aufschluss über die richtige Wahl des Objektivs geben.
Was ist eigentlich ein Objektiv?
Das Objektiv hat die Aufgabe ein Bild zu projizieren, das seitenverkehrt auf dem Kopf stehend auf Film oder Bildsensor dargestellt wird. Dies geschieht durch in das Objektiv eingefasste Linsen (Frontlinse, Rücklinse, verschiebbare Linsengruppen, Blendenlamellen, u.a.). Von diesen aus Glas hergestellten Präzisionsteilen können mehr als 15 in einem Objektiv Platz finden.
Brennweite
Häufig ist von Veränderung der Brennweite die Rede. Viele Nutzer wissen aber überhaupt nicht was sich dahinter verbirgt. Im Grunde ist die Bedeutung im Wort schon enthalten. Demnach geht es um die Entfernung der Linse, die das Licht zum Entzünden eines Gegenstandes bringt. Wir kennen dies von den ersten physikalischen Erfahrungen aus der Kindheit im Experimentieren mit der Lupe, mithilfe derer ein Blatt Papier entzündet werden kann. Je nach Beschaffenheit des Lupenglases (der Linse), Abstand und Winkel, wird das Sonnenlicht auf einen kleinen Punkt gebündelt und erzeugt Hitze und das Blatt Papier entzündet sich. Hier liegt die ethymologische Herkunft der Brennweite.
Die Brennweite des Objektivs ist als eine Größe zu verstehen, die mit dem Bildwinkel einhergeht.
1.)Ein großer Bildwinkel bedeutet eine kurze Brennweite, demnach wird ein Bildausschnitt verkleinert. Bezeichnung des Objektivs: Weitwinkelobjektiv.
2.)Ein kleiner Bildwinkel bedeutet eine große Brennweite, demnach wird eine Bildausschnitt vergrößert. Bezeichnung des Objektivs: Teleobjektiv.
Gemessen wird die Brennweite in mm.
Alle zu 1.) zugerechneten Objektive haben eine Brennweite von < 50mm (14,15,16,17,18,20,24,28,35,45)
Alle zu 2.) zugerechneten Objektive haben eine Brennweite von > 50mm (85, 90, 100, 135, 200, 300, 500)

Objektive die eine Brennweite von 50mm haben, kommen dem menschlichen Auge, wie es Objekte wahrnimmt, ungefähr gleich. Deswegen bezeichnet man dieses als Normalobjektiv.
Zoomobjektive haben sich erst in letzter Zeit durchgesetzt und ersetzen durch ihre Variabilität eine große Anzahl von Objektiven. Bspw. gibt es Zoomobjektive, die eine Brennweite von 28-500mm anbieten.
Im Inneren des Zoomobjektivs werden in einem raffinierten Mechanismus die Linsen gruppiert und verschoben. Das ist notwendig, da sowohl die Brennweite, als auch die Entfernungseinstellung verändert werden.
Die Kompaktdigitalkameras hingegen, haben ein eingebautes Objektiv, zumeist mit einer digitalen Zoomfunktion, welche eine stufenlose Auswahl der Brennweite anbietet; bessere integrieren einen zusätzlich auswählbaren, einfachen optischen Zoom.
Der digitale Zoom geht über die optische Leistung des Objektivs hinaus, was Qualitätseinbußen zufolge hat, da bei der längsten Brennweiteneinstellung der mittlere Bildausschnitt einfach vergrößert wird. Die Qualitätsminderung drückt sich in Bildunschärfe, groben Pixeln und Verwackeln aus.
Spezialobjektive
Desweitern gibt es eine Reihe Spezialobjektive. Hier eine kurze Zusammenfassung:
Makro-Objektive: Diese Objektive wurden für Nahaufnahmen konzipiert.
Superteleobjektiv: Eignen sich besonders für die Sportfotografie. Sie arbeiten mit einer langen Brennweite und hoher Lichtstärke.
Super/Ultraweitwinkelobjektiv: Diese Objektive werden ab einem Winkel über 80° so bezeichnet und werden häufig in der Landschafts und Kunstfotografie eingesetzt.
Fischauge-Objektive: Bezeichnen eine Brennweite unter 16 mm abwärts (ab 16 mm erfasst es die diagonalen Ecken in einem Winkel von 180°, was einen starken Verzerrungseffekt zur Folge hat)
Blende
Die Blende ist eine Vorrichtung in der Kamera, die aus sog. Blendenlamellen besteht und die eintreffende Lichtmenge regelt.
In einer Blendenstufe kann der Wert der Belichtung eingestellt werden. Dieser verdoppelt oder halbiert sich je nach Stufe und regelt die Blendenöffnung und somit die durchzulassende Menge Licht. Sie wird in international tradierten Blendenwerten gemessen: 1:1,0 – 1:1,4 – 1:2,0 – 1:2,8 – 1:4,0 – 1:5,6 – 1:8,0 – 1:11,0 – 1:16,0 – 1.22,0 – 1:32,0. Je kleiner die Zahl hinter der 1: desto größer die Lichtmenge die den Film belichtet. Jede Stufe nach 1:> ist eine Halbierung der Lichtmenge.
Ein Beispiel: Bei Blende 1:4,0 kommt halb soviel Licht durch die Linse wie in Blende 1:2,8. Um den Verlust des Lichtes hier auszugleichen, wählt man eine doppelt so große Belichtungszeit/Verschlusszeit.
Die Blendenöffnung kontrolliert gemeinsam mit der Verschlusszeit (Belichtungszeit) das auf den Film/Sensor treffende Licht. Die Belichtungs-/Verschlusszeit bezeichnet die Zeit während der Belichtung und wird ebenso wie die Blendenstufen verdoppelt oder halbiert. Sie wird in den Werten1/ 4 1/ 5 1/ 6, 1/ 8, 1/ 10, 1/ 13, 1/ 15, 1/20, 1/ 25, 1/ 30, 1/ 40, 1 / 50, 1/60, 1/ 80, 1/100, 1/125; 1/ 160, 1/ 200, 1/250 1/ 320, 1/400 1/500, 1/ 640, 1/ 800, 1/ 1000, 1/1250, 1/ 1600, 1/ 2000 1/2500, 1/ 3200, 1/ 4000 gemessen.
Tipp: Nehmen Sie keine Verschlusszeit, die länger ist als ihre Brennweite, da ihre Aufnahmen zumeist verwackeln. Bsp: Brennweite 100 = 1/<100
Lichtstärke
Bezeichnet das Verhältnis zwischen dem tatsächlichen Durchmesser und der Brennweite eines Objektivs.
Der Vorteil der digitalen Kameras liegt auch in Nutzbarkeit nahezu jeder Lichtquelle. Dort wo Film basierte Kameras mit künstlichen Licht Probleme bereiteten, schafft die digitale Technologie durch ihren automatischen Weißabgleich Farbstiche auszugleichen.
ISO
Die International Standards Organisation bezeichnet eine Maßeinheit für die Empfindlichkeit eines Films, bzw des Sensors. Sie kennen diese Werte noch von den herkömmlichen Filmen, die man gewöhnlich zwischen ISO 100 oder 200 kaufte. Je größer die ISO Einheit, desto lichtempfindlicher ist der Film/Sensor.
Tipp:
ISO 100/200: sonnig, hell, im Freien
ISO 400/800: bedeckter Himmel, Dämmerung, abends
ISO 1600: nachts, im Inneren (schlecht beleuchtete, dunkle Räume)
Schärfentiefe
Die Wahl der Brennweite und der Perspektive beeinflusst die sog. Schärfentiefe. Die Schärfentiefe beschreibt den Bereich eines Bildes, der scharf gestellt wird. Ein großer Bildauschnitt hat immer auch eine große Schärfentiefe.
Eine kürzer gewählte Brennweite vergrößert also die Schärfentiefe und umgekehrt verkleinert sie sich bei größerer Brennweite.
Auch die Blendeneinstellung hat auf die Schärfentiefe besonders in der digitalen Fotografie großen Einfluss: Eine kurze Brennweite, kombiniert mit einer kleinen Blendenöffnung erzeugt eine größere Schärfentiefe.
Häufig wird zudem angenommen, dass der Bildwinkel entscheidend für die zu erzeugende Schärfentiefe sei, dies ist hingegen ein Trugschluss: Die genannten entscheidenden Faktoren sind die Entfernung, die Brennweite und die Blendeneinstellung.
Tipp: Um ihre Kamera besser kennen zu lernen, empfiehlt es sich, mit der Schärfentiefe experimentierend zu spielen. Gerade eine geringe Schärfentiefe, lässt Objekte aus ihrem Hintergrund oder Vordergrund treten.
Weißabgleich
Der Weißabgleich ist heutzutage in den digitalen Kameramodellen automatisch integriert. Häufig wird aber gerade dadurch seine Wichtigkeit unterschätzt. Der Weißabgleich regelt bei unterschiedlichen äußerlichen Lichtverhältnissen
die Farbwiedergabe, der abzubildenden Bildausschnitts.
Die ‘Farben’ werden in der Fotografie in Temperaturen gemessen, und zwar in der amerikanischen Einheit Kelvin (0 Kelvin (K) = ca. -273° C), die von sehr rot (1000 K) bis sehr blau (15000 K) reichen.
Der Wechsel bspw. von einem Raum, dessen einziges Licht durch eine normale Glühbirne erzeugt wird, nach draußen, in das Tageslicht eines bedeckten Himmels, kommt einem Wechsel von 2800 K hinzu 7000 K gleich. Die Kamera ist mithilfe eines Sensors darauf eingestellt, diese Farb- bzw. Temperaturunterschiede zu kompensieren. Dies wird als automatischer Weißabgleich beschrieben.
Zusammenfassung wichtiger Etappen der Farben/Licht/Temperatur:
1000Â Â K Kerze/rot++++
2800  K Glühbirne/rot+++
3000Â Â K Halogenlampe/rot++
3200  K Morgen/Abenddämmerung/rot+
5000Â Â K Klarer Himmel/Tag/blau+
7000Â Â K Wolkenbehangener Himmel/Tag/blau++
8000Â Â K Wolken+Nebel/Tag/blau++
10000 K Blauer Himmel/Tag/blau+++
12000 K Schatten+Licht/Tag/blau++++
15000 K Gebirge/blauer Himmel/Tag/blau+++++
Manueller Weißabgleich
Bessere Kameras bieten die Möglichkeit den Weißabgleich selbst zu steuern. Dies bietet sich bei außergewöhnlichen Anforderungen an das Bild und die damit verbundenen Farbwiedergabe an. Gerade im Bereich der Kunstlichtbeleuchtung, macht der automatische Weißabgleich häufig Probleme: Farben kommen dann unzufriedenstellend rüber. In diesem Fall (vorausgesetzt das Kameramodell bietet diese Möglichkeit) stellt man entweder in den Modus “Kunstlicht” oder man macht den Weißabgleich manuell. Dies geschieht im einfachsten Fall mit einem Blatt weißen Papier bei dem am Aufnahmeort herrschenden Licht. Innerhalb des Blattes wird der Bildausschnitt gewählt und im Modus “manueller Weißabgleich” die Kamera auf die in diesem Moment herrschenden Lichtverhältnisse “geeicht”.
Tipp: Nutzen sie ihre Digitalkamera als visuellen Notizzettel. Fotografieren sie das, was sie umständig aufschreiben müssten: Informationen (bspw. zu Sehenswürdigkeiten), Telefonnummern, Öffnungszeiten, etc. Die Kamera kann so zu einer Gedankenstütze und zu einem kreativen Antrieb werden. Gerade die scheinbar unendliche Produzierbarkeit durch das sehr große Speicherinventar der digitalen Kameras schreit nahezu danach.